Trans­generationale Traumatisierung

Weitergabe unbewältigter Trauma-Erfahrungen an die nächste Generation

Die heutige Bindungsforschung geht davon aus, dass jeder Mensch auf der seelischen Ebene in einem Geflecht von Bindungsbeziehungen, die mehrere Generationen umfassen, lebt. Nicht verarbeitete traumatische Erfahrungen wirken wie Nadelstiche in diesem Geflecht, wobei feine Fäden Risse bekommen und andere sich verknoten.

Mögliche Folgen davon sind: abgebrochene Beziehungen, ausgeschlossene Familienmitglieder, gut gehütete Geheimnisse, Intrigen, Tabus oder ein unbestimmter Zweifel („Nach außen sind wir eine ganz normale Familie, aber mein Gefühl sagt mir seit frühester Kindheit, dass bei uns etwas nicht stimmt.“).

Der Nationalsozialismus mit seinem Vernichtungskrieg und der Shoah hat für viele Generationen von Menschen zerstörerische seelische Spuren hinterlassen. Die Holocaustüberlebenden, ihre Kinder und Enkel werden immer im Zentrum einer Erinnerungsarbeit stehen müssen.

Die Kriegsbeteiligten haben ihre Erfahrungen meist im „Kollektiven Vergessen“ der Nachkriegsjahre versenkt. Die Vergewaltigung von Tausenden von Frauen in Deutschland durch die Befreier am Ende des Krieges ist selten Thema der Erinnerungskultur. Die Kinder, die aus den Vergewaltigungen hervorgegangen sind, bleiben ausgeblendet.

Die Folgen dieses Schweigens können sich in mannigfacher Art und Weise äußern. Sicher wissen wir heute, dass sie im Körper und in der Seele gespeichert und über genetische Muster vererbt werden können. Die Folgen spiegeln sich wider in familiären Beziehungen und bestimmen unbewusst den Umgang mit vielen gesellschaftspolitischen Themen. Gerne verweise ich hier auf die Initiative https://kriegerdenkmal.org/