Umgang mit den Folgen der Covid-Pandemie

Die Covid-Pandemie betrifft alle Menschen weltweit und doch sehr unterschiedlich. Wir alle gemeinsam erleben einen Verlust von Gewissheiten, Kontrolle und Vorhersehbarkeit und für viele bedeutet dieser anhaltende Zustand eine existenzielle Krise, die sich auch traumatisch auswirken kann. Noch sind die psychischen Folgen längst nicht absehbar. Was wir aber beobachten können, ist, dass Menschen und Einrichtungen, die krisenerprobt und gemeinschaftsorientiert sind, die Krise besser bewältigen.

Mit meiner langjährigen Erfahrung im Umgang mit Krisenbewältigung und Trauma, Verlust und Trauer stehe ich gerne auch in dieser Zeit an Ihrer Seite.

In Südkurdistan/Nordirak begleite ich die feministische Organisation Emma bei der Implementierung von Maßnahmen zur Personalfürsorge. Es hat sich gezeigt, dass kontinuierlich umgesetzte Aktivitäten zur Selbst- und Personalfürsorge sehr stärkend und verbindend wirken. Die Kolleginnen von Emma geben ihr Wissen zu Selbstfürsorge als Flyer und in den Social Media weiter an ihre Klientinnen, Netzwerke, Familien und Communities (siehe internationale Zusammenarbeit).

Vor allem in Ländern mit mangelnder Gesundheitsversorgung ist die Bedrohung, dass Angehörige, Kolleginnen und wichtige Menschen der Gemeinschaft sterben, sehr hoch. Da Trauerrituale und Beerdigungen gar nicht oder sehr eingeschränkt stattfinden können, fällt der Trost, in der Trauer in der Gemeinschaft aufgehoben zu sein, weg. Im Homeoffice zu arbeiten, bedeutet für viele Frauen, zurückgeworfen zu werden auf traditionelle Geschlechterrollen. In vorwiegend patriarchal organisierten Gemeinschaften und Gruppen findet eher eine Retraditionalisierung statt. Die Pandemie ist eine willkommene Gelegenheit, um das Recht der Frauen*, außer Haus zu arbeiten, wieder vermehrt in Frage zu stellen.

Keine äußere Tagesstruktur mehr zu haben oder sie selbstverantwortlich herstellen zu müssen, überfordert Familien und Singles. Wir verzeichnen weltweit einen Anstieg an innerfamiliärer Gewalt und die Zunahme des Suchtmittelkonsums.

Der Verlust von Verbindung und unbeschwertem zwischenmenschlichem Kontakt ist sicherlich für Kinder, Jugendliche und alte Menschen in Senioreneinrichtungen am folgenreichsten. Geflüchtete Menschen erleben pandemiebedingt oft eine weitere Verschleppung der Verfahren, ihre Möglichkeiten der Teilhabe sind noch beschränkter, viele Bildungs- und Freizeitangebote sind ausgesetzt. Gefühle der Isolation und Hoffnungslosigkeit verstärken sich.